Für das einstige Sauber Team ist der GP von Italien am kommenden Wochenende in Monza ein ganz besonderer. Denn mit Alfa Romeo als Titelsponsor werden die Blicke neben Ferrari an diesem Wochenende auch auf die zweite Italienische Mythosmarke im Feld gerichtet sein. Der C38 und die Fahrer starten in einem speziellen Design.

Wir trafen am Mittwoch bei einem Event im Alfa-Romeo Werk in Turin die Altmeister Jake und Blackice um mit ihnen über den bisherigen Saisonverlauf, den anstehenden Abschluss der Europa Saison, über die zukünftigen Rennen und über die Zukunft beider Fahrer zu sprechen.


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Für das einstige Sauber Team ist der Italien GP in diesem Jahr ein ganz besonderer. In Turin stellten sich Team und Fahrer im Alfa-Werk der Presse.

Doch bevor wir mit den Interviews beider Fahrer starten, blicken wir auf die enttäuschende bisherigen 13 Rennen des Teams.

Pleiten, Pech & Pannen

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Beim Blick auf die bisherige Saison macht sich bei allen Veranwortlichen von Alfa Romeo Ernüchterung breit. Auch wenn man vor der Saison die Erwartungen klein hielt und vor einem grandiosen Jahr wie 2017/18 nichts wissen wollte, gleicht die Punkteausbeute bis zum GP von Belgien einem Fiasko, zumal man bei nicht wenigen Experten vor Saisonstart als Geheimtipp gehandelt wurde. Und auch das heiß erwartete Teaminterne Duell der einstigen Ferrari-Jungspunde entpuppte sich zur Luftnummer. Bis auf Silverstone liesen sich die beiden Routinere oftmals ohne Aufforderung vorbei. „Die Fahrer wissen dass jeder Punkt zählt, wir mussten kein einziges Mal eingreifen. In einem so engen Mittelfeld brauchen wir keine unüberlegten Chaoten-Manöver“, lobt Teamchef Fred Vasseur.

Vom Ziel KWM Platz 4 zu erreichen, ist man aktuell weit entfernt. Zwar hatte das Team zur selben Zeit vor einem Jahr deutlich weniger Punkte, jedoch war man zum dortigen Zeitpunkt sogar des Öfteren nicht mal am Start und bei den letzten Saisonrennen 18/19 machte es den Anschein, als sei mit Alfa-Sauber in diesem Jahr zu rechnen. Doch das aktuelle Auto ist selbst für die beiden erfahrensten Piloten im Feld eine Wundertüte und lässt Ingenieure und Fahrer oft im Dunklen tappen. Kein Update brachte das Auto richtig in den Griff. Experten machen dabei vor allem auch den Abgang von Simone Resta verantwortlich, den die Schweizer-Italienische Truppe wenige Wochen nach dem Saisonstart wieder an Ferrari zurückwandern lassen musste. Und wenn das Auto mal läuft, patzen Strategie oder es kommt Pech dazu.


Alfa-Sauber bezahlt für das radikale Frontflügeldesign Lehrgeld, welches beim Schweizer Rennstall in diesem Jahr von allen vorgestellten Autos hervorstach. Zu viel untersteuern ist die Folge.

Vereint gegen den Rest: Blackice und Jake wie so oft im Formationsflug.

Im Duell beim bisherigen „Highlight“: P6 und P7 in Silverstone

Vor allem die Formschwankungen im Qualifying machen der Truppe aus Hinwil zu schaffen. So kam es im bisherigen Saisonverlauf schon vor, dass mindestens ein Rot-Weißer Renner sogar aus der letzten Reihe starten muss. Das war zuletzt in Belgien erst wieder der Fall. Wer hinten startet, hat speziell in der Startphase Probleme. Von Monaco bis Hockenheim waren die Alfa-Piloten in jedem einzelnen Rennen in Startunfälle verwickelt. Für die erfolgsverwöhnten ehemaligen Vizeweltmeister Blackice und Jake bedeutet das die Höchsstrafe. Beide Fahrer haben bis dato nicht mal 40 Punkte gesammelt – eine Punktzahl die sie im Schnitt bei den ehemaligen Teams Ferrari und McLaren binnen 4-5 Rennen zusammen hatten. Das nagt an der Motivation.

Das Heimspiel in Monza soll trotzdem nochmal die Wende bringen: Wie wir aus den Kreisen des Teams hören, erhält der C38 in Monza die letzte Ausbaustufe des aktuell stärksten Ferrari Antriebs im Feld, für Singapur, Russland und Japan macht man nochmal mobil und bringt über die drei Rennwochenenden verteilt ein neues Updatepaket bestehend aus Frontflügel, Unterboden und Bargeboards, vor allem in Anbetracht dessen, dass das Regelwerk in der kommenden Saison unverändert bleibt, müssen dem aktuellen Auto die Probleme ausgetrieben werden. Die Zeit drängt – der Kampf im Mittelfeld wird immer enger. McLaren ist mittlerweile mit vier eingefahrenen Podien außer Reichweite und auch Renault ist vom Auto her mittlerweile ein Schritt vorne.


Doch nicht nur das: Im Team treibt mittlerweile die Angst rum, beide Fahrer am Ende der Saison zu verlieren. Nach Jakes bereits in Kanada verkündeten vorzeitigen Karriereende am Ende der aktuellen Saison, hat nun auch Teamkollege Blackice eine fixe Zusage im nächsten Jahr dabei zu sein, ausgeschlagen. Der Österreicher trifft seine Entscheidung nicht vor den Testfahrten der neuen Saison. Nicht nur für das Team und Titelsponsor Alfa Romeo wäre der Verlust der zwei mit am werbewirksamen Aushängeschilder in einer Zeit, in dem der FIAT Chrylser Konzern mit der Opel Mutter PSA fusioniert und gar das Ende für die Marke Alfa Romeo bedeuten könnte, ein entgültiges Kriterium der F1 zukünftig den Rücken zu kehren. Auch Liberty Media würde zwei alteingesessene Stammpiloten mit einer großen Fangemeinde verlieren.

Doch blicken wir erstmal wieder auf das aktuelle Geschehen und fragen die Fahrer selbst.


Das Interview

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Trotz der aktuellen Situation zeigten sich beide Piloten bei der Pressekonferenz heute in Turin bester Laune und stellten sich den Fragen der angereisten Journalisten.

Ihr beide habt mit Ferrari und McLaren jahrelang ein Topteam als Arbeitgeber gehabt. Den Schritt zu Alfa und einem kleineren Team habt ihr bewusst gemacht. Könnt ihr mal bitte beschreiben, wie sich die Arbeit bei Alfa im Vergleich zu euren früheren Teams unterscheidet?

BlackIce: Die eigentliche Arbeit auf der Strecke, in den Boxen, im Ingeneursraum und in der Fabrik unterscheidet sich weniger voneinander als man das glauben würde von außen. Es sind eher die Nebenschauplätze wie Sponsoren-Verpflichtungen und Pressetermine, die in einem kleineren Team wie Sauber weniger sind und somit ist die Arbeit insgesamt etwas entspannter und weniger dicht gedrängt als bei Ferrari.

Jake: Das sehe ich wie Blacky – Und natürlich merkt man es auch an der Erwartungshaltung im Team. Bei größeren Teams musst du immer liefern, stehst im Fokus und arbeitest unter Druck. Bei uns ist es aktuell eher familiär, auch wenn natürlich alles gegeben wird.

Ihr beide durchlebt eine schwierige Saison, in der Konstrukteurs-WM ist Alfa 7, in der Fahrer-WM sieht es bei euch auch nicht viel besser aus mit Platz 12 und 13. Habt ihr vor eurem Wechsel gedacht, dass die Saison so schwierig werden wird?

BlackIce: Natürlich war mir bzw. uns bewusst, dass wir nicht auf Anhieb wieder da vorne mitfahren werden um Podien wie es in den letzten Jahren immer der Fall war. Das braucht seine Zeit, dass wir allerdings so massiv im Strudeln sind hätte ich mir nicht gedacht. Es ist kein Geheimnis, dass wir gravierende Mängel mit unserem Auto haben, die man heutzutage als Fahrer kaum noch kompensieren kann. Das macht die Lage natürlich umso schwerer und als Racer muss man dann kühlen Kopf bewahren und darf nicht versuchen, über den Limits des eigenen Könnens und des Autos zu fahren, da das zwangsläufig früher oder später in einer Katastrophe endet.

Jake: Wie Blacky sagte haben wir natürlich gewusst, dass das eine anspruchsvolle Saison wird. Unser Team hat ja von Anfang an kommuniziert, dass wir erstmal wieder aus dem Mittelfeld kommen müssen. Dass es dann aber doch so schwierig werden würde und wir teilweise aus der letzten Reihe starten müssen ist schon hart. Vieles lag aber im bisherigen Saisonverlauf nicht in unserer Hand. Wir wissen wie viel Pech teilweise dazu kam und dass wir nicht von ein auf die andere Saison das Fahren verlernt haben.

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Für Jake könnte es an diesem Wochenende besonders emotional werden, denn es steht einiges an: Der eigene Heim GP. Der Heim GP des Titelsponsors. Das 150. Rennen. Und dazu auch noch das vorerst letzte Rennen in Italien und das letzte Mal vor dem Heim-Publikum..

Jake, Glückwunsch zu deinem 150. Rennen. Mir ist es, als hätten wir gestern erst über dein 100. Rennen gesprochen. Zufälligerweise fällt das Rennen noch mit deinem Heimrennen zusammen. Was können die Tifosi von dir am Wochenende erwarten und wie sieht deine Woche aus? Sie ist doch neben diesem Event vollgespickt mit weiteren Events rund um deine Person, oder?

Jake: Ja, mir kommt es auch vor als wäre es gestern gewesen. Dabei ist es mittlerweile jetzt auch schon wieder über drei Jahre her, das ist unglaublich wie die Zeit rast. Monza lag mir immer und unserem Paket sollte es hier etwas leichter fallen, vorausgesetzt wir bekommen das Setup so hin wie bei mir in Silverstone oder Spa. Da mein Auto in Spa zuletzt aber bereits schon mit einem Low-Down-Force Setup bestückt war, gehe ich positiv ins Wochenende und versuche den Schwung von Spa mitzunehmen. Mit den Tifosi im Nacken geht das natürlich gleich besser. Natürlich ist die ganze Woche vollgepackt – weniger voll als damals bei Ferrari aber doch schon mehr als bei McLaren. Man merkt dass in unserem Team wieder Italiener arbeiten. Heute (Mittwoch) hier in Turin im Alfa Romeo Werk, morgen dann in Mailand. Am Freitag werde ich etwas entspannen. Ich werde das letzte Monza-Wochenende aber aufjedenfall genießen, noch mehr als sonst auch immer. Und ich muss sagen: Zum ersten Mal seit einer Ewigkeit habe ich vor diesem Rennen wieder ein richtigen motivierenden Spirit in mir, den ich speziell in meinen Anfangsjahren hatte. Alles fühlt sich schön an und ich freue mich, hier zu fahren.

McLaren findet langsam immer mehr Anschluss an die Spitze, dein Nachfolger hat sich mittlerweile hinter Robin und Schwatzgelb etabliert und steht regelmäßig auf dem Podium. Bereust du unter diesen Gesichtspunkten deinen Wechsel zu Alfa?

Jake: Nein, ich bereue nichts. Wie ich schon oft sagte, wäre ich ja ohne den Wechsel zu meinem aktuellen Team schon am Ende des vergangenen Jahres zurückgetreten vom aktiven Sport. Ich wurde mit McLaren zweimal Vizeweltmeister und wir schrammten sowohl mit Mercedes als auch Honda zweimal knapp am Titel vorbei. Mit etwas mehr Glück wäre ich heute zweimaliger Weltmeister. Würde McLaren aktuell um den Titel fahren, würde ich mir sicher Gedanken machen. Aber so, gibt es nichts, was ich bereue.

Bekanntermaßen werden vorerst nur noch 8 Rennen dazu kommen. Wie gehst du deine „Abschiedstournee“ an? Hast du noch ein Ziel, was du in den letzten Rennen erreichen willst?

Jake: Eigentlich gehe ich die Rennen an wie jedes andere davor auch. Klar, seit der Verkündung habe ich nochmal Extra Motivation, das muss ich schon zugeben. Und natürlich wird dieses Wochenenede hier in Monza nochmal ganz speziell. Aber ja, ich habe in meinem Arbeitszimmer jährlich immer ein Ausdruck des Rennkalenders und nach jedem Wochenende wird eine Zeile durchgestrichen. In Kanada, als ich meinen Rücktritt verkündete, war das noch so lange hin. Umso mehr Zeilen aktuell aber auf dem Kalender gestrichen werden, desto realer fühlt es sich dann doch schon an. Insofern würde ich sicher lügen, wenn ich behaupten würde dass der Rücktritt nicht irgendwo bei den letzten Rennen immer mehr mitschwebt.

Als Ziel bleibt weiterhin gute Einzelergebnisse einzufahren und vielleicht doch nochmal zusammen mit Blacky in die Top 5 zu kommen und eventuell doch noch KWM Platz 6 zu retten. Das wäre dann schon ein schöner Abschluss.

Was muss passieren, dass du doch in der Formel 1 bleibst, bzw. unter welchen Umständen würdest du wieder zurück kommen?

Jake: Nun, die technischen Regeln ändern sich ja schon bald drastisch. Von dem was ich mitbekommen habe sind das schonmal positive Punkte die ein etwaiges Comeback in naher Zukunft natürlich hervorrufen könnten. In erster Linie geht es da natürlich darum, dass bald wieder Spannung herrscht. Ich werde jedenfalls nicht zurückkommen um wieder zweimal überrundet zu werden.

Dazu kommt, dass ich wieder aktiv mehr in die Planung des sportlichen Regelwerks involviert und da kommen auch immer mehr Punkte auf den Plan, die mich positiv auf die Zukunft stimmen. Hier fällt mir das Sprichwort ein: „Kommt Zeit, kommt Rat.“ Natürlich muss bei einem Comeback alles zusammenspielen. Ich muss ein entsprechendes Angebot bekommen und die Rahmenbedingungen müssen passen.

Was ich definitv versprechen kann: Ich werde nächstes Jahr nicht als Stammfahrer in der Formel 1 fahren. Einen so schnelles Comeback gibt es also sicher nicht, egal was kommt oder wie sich alles nächste Saison entwickelt. Ich stehe zu meinem Wort und das lautet, dass ich 2020/21 nicht F1 fahren werde. Die Betonung liegt hier allerdings auf Stammfahrer. 😉

Was hast du nach deinem Abschied vor? Gibt es da schon Projekte oder Angebote, von denen du uns erzählen kannst?

Jake: Aktuell halte ich mir alles offen. Ich werde definitv wieder mehr in den Kartsport einsteigen, weil dazu in den vergangenen Jahren eigentlich keine Zeit blieb. Ansonsten habe ich schon ein bis zwei Dinge die ich definitv machen wollen würde, die ich aber aktuell noch nicht offiziell verkünden kann. Wie oben erwähnt, habe ich aber hier in Italien in dieser Woche noch den ein oder anderen Termin vor mir. Am Samstag werde ich beispielsweise nochmal kurz in Maranello vorbeischauen.

Was viele nicht wissen: Neben deiner Tätigkeit als Fahrer und Reporter unserer Liga schreibst du auch Artikel über die richtige Formel 1 und hast unter anderem auch schon ein Interview mit jemandem von der McLaren-Boxencrew geführt. Wie kam es zu der ganzen Sache und wäre das für dich vielleicht auch eine Möglichkeit für die Zukunft in diesem Bereich Fuß zu fassen?

Jake: Ja, eine sehr coole Frage. Es war immer mein Traum in Zukunft irgendwas journalistisches zu machen. Und da ich in der Schule eigentlich immer gut im Schreiben von Texten war hat sich das eigentlich eher so ergeben. Ich habe mir mittlerweile auf Twitter eine „Social-Bubble“ aufgebaut, also ein Netzwerk in denen ich nur News zur F1 erhalte und bin somit 2017/2018 auch in Kontakt mit einigen F1-Seiten getreten. Für die durfte ich dann beispielswiese Berichte schreiben, vorzugsweise z.B. Berichte wie man am besten zu den Rennen kommt, (seit 2017 reise ich jedes Jahr zu mindestens einem Rennen), was man im Ort/Land des Rennens gesehen haben muss etc. 2018 war es dann so weit und ich konnte mich bei meinem Hockenheim Besuch mit dem Betreiber der Seite für die ich schrieb treffen und der brachte mich dann auch durchs Fahrerlager und vor die Motorhomes. Das war so bisher mein Höhepunkt was das betrifft. Im Laufe der Jahre führte dann das eine zum anderen und ich bekam durch Twitter die Möglichkeit ein Interview mit einem McLaren Mechaniker, mit dem ich schon länger Kontakt hatte zu führen. Einige Monate davor auch schon mit dem Grafiker Sean Bulles, der damals noch bekannt war für seine F1-Conceptarts und nun für das F1- Renault Designteam arbeitet. Allgemein ist das auch eine Sache, die ich zwangsweise wegen der Liga schleifen lassen musste und mittlerweile ist die Sache leider wieder sehr eingeschlafen. Nach meinem Rücktritt werde ich mich aber sicher wieder mehr mit diesen Dingen befassen, speziell wenn ich im September in Monza sein werde und für die Zukunft wäre es natürlich toll, das Ganze regelmäßig auszuweiten. Aber ich mache mir da keinen Druck, da ich beruflich aktuell ziemlich zufrieden bin, insofern stehen wir da sicher für die nächsten Jahre noch Zeit und Türe offen.

Hier mal ein angesprochenes Interview:


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Kommen wir nun zu Blacky. Du hast die letzten 3 Jahre immer an der 200- Punkte-Marke gekratzt, jetzt hast du gerade mal 27 nach 13 Rennen. Wie sehr frustriert das und wie kannst du dich überhaupt noch motivieren?

Als ich mich entschlossen habe vor neun Monaten Ferrari zu verlassen und zu Sauber zurückzukehren haben das viele Menschen aus nachvollziehbaren Gründen nicht verstanden. In meinen Augen hat der Wechsel Sinn gemacht und macht es noch immer, auch wenn das auf den ersten Blick eigenartig klingen mag. Es gibt Gründe für die schlechten Resultate, die mit Sicherheit nicht nur in meiner Hand liegen. Ich weiß, dass ich das Fahren nicht plötzlich über die Sommermonate verlernt habe und denke eher im Gegenteil, dass ich mich noch immer ständig weiterentwickle und vielleicht meine bisher beste Form in meiner Karriere erreicht habe. Es ist bitter, wenn man keine Möglichkeit hat, dies zu zeigen, aber ich glaube weiterhin an mich und weiß, dass es bald wieder die Gelegenheit geben wird, mein Können zu können. Resultate motivieren mich in der Hinsicht überhaupt nicht, denn ob man als Siebenter, Achter oder Neunter ins Ziel kommt, ist eigentlich völlig wurscht. Meine Motivation beziehe ich aus meiner ungebrochenen Leidenschaft für den Rennsport und das Racing an sich.

Erst zu Beginn der Woche hast du bekannt gegeben, deine Teilnahme nächste Saison von den Testfahrten abhängig zu machen. Kannst du das näher erläutern? Was muss passieren, damit du dich nächste Saison wieder ins Cockpit zwängst?

Die Rahmenbedingungen müssen aus meiner Sicht einfach Sinn machen. Uns steht abermals eine lange Saison bevor, auch wenn es derzeit Gespräche gibt, dass der ursprünglich geplante Kalender mit 22 Rennen etwas gekürzt werden könnte. Dennoch ist eine volle Saison Jahr für Jahr mit Mühen und Opfern die man bringen muss verbunden und ich bin nicht mehr bereit diesbezüglich alles hinzunehmen wie es ist und mich durchzuquälen. Einerseits erwarte ich von Sauber/Alfa Romeo ein konkurrenzfähigeres Auto als in dieser Saison, aber auch einige Rahmenbedingungen, die in den Verantwortungsbereich von Liberty Media fallen, müssen mit meinen Vorstellungen übereinstimmen, damit ich mich bereit erkläre, auch nächste Saison voll dabei zu sein. Ich sehe solche Dinge mittlerweile sehr neutral. Ich bin noch sehr jung und kann ohne Probleme nach ein, zwei Jahren Pause wieder ins Cockpit zurückkehren und dann noch weiter gereift zu Werke gehen. Wir werden sehen, wie sich die Dinge entwickeln werden in den kommenden sechs Monaten, dann sollte ich wissen, was ich in der nächsten Saison tun oder nicht tun werde.

Die Saison ist schon wieder in ihrem letzten Drittel angekommen. 8 Rennen stehen uns noch bevor. Was hast du dir für die letzten Rennen vorgenommen? Gibt es Entwicklungen bei Alfa, mit denen du doch nochmal Podiumsluft schnuppern wirst?

Zuerst will ich mal sagen, dass das Team seitdem ich wieder dabei bin, harte Arbeit leistet. Die Leute sind ja zum größten Teil noch dieselben wie schon 2012, als ich hier bei Sauber meine Debütsaison gefahren bin. Und für mich ist und bleibt es das Sauber-Team, das in Hinwil in der Schweiz beheimatet ist. Ich habe nichts gegen Alfa Romeo um das klarzustellen, aber für viele Außenstehende wirkt der Namenswechsel so, als wäre das Sauber-Team plötzlich aus der Formel 1 verschwunden und genau das Gegenteil ist der Fall, denn es ist ein und dasselbe Team und ich ziehe meinen Hut vor allen Mitarbeitern, die auch in diesen schwierigen Zeiten nicht den Kopf hängen lassen. Zu welchen Leistungen dieses Team im Stande ist, hat man 2013/14 und 2017/18 eindrucksvoll bewiesen mit zweiten Plätzen in der Konstrukteurs-WM. Aktuell finden wir uns eher auf der anderen Seite der Fahnenstange wieder, dennoch – um auf die Frage zurückzukommen – wird es für Singapur, Sochi und Suzuka jeweils kleinere neue Ausbaustufen bezüglich des Aero-Pakets geben. Danach ist allerdings Schluss und das Team wird sich auf nächste Saison konzentrieren, von daher hoffe ich, dass die unermüdliche Arbeit des Teams endlich Früchte trägt und bei den Updates etwas dabei ist, das Früchte trägt. Ein Podium erwartet sich aber dennoch niemand, das ist nur bei einem Chaosrennen möglich und die gibt es aktuell in der Formel 1 nicht, da das Feld gruppenweise auseinandergerissen ist und die Rennleitung ja kaum noch ein Safety Car einsetzt aufgrund der Beschwerden vieler älterer Fans, dass Liberty Media die Formel 1 mit künstlichen Gelbphasen spannend machen wollen würde und man da amerikanischen Serien wie den IndyCars oder NASCAR nacheifern würde. Aber wir wollen nochmal ein Highlight setzen, ein Rennen mit beiden Autos in den Top 6, was wir in Silverstone fast geschafft haben, wäre super.

Jake und du seit die alten Hasen hier in der Liga. Ihr habt während eurer gemeinsamen Zeit eine Berg- und Talfahrt mitgemacht. Es gab gute Zeiten, ihr wart aber auch dabei, als die Liga drohte, auseinander zu fallen. Seit 2016 ging es dann wieder bergauf. Wie hat dich die Zeit damals geprägt? Spürst du sogar noch Einflüsse davon?

Die Zeit damals war sehr düster, aber natürlich einprägsam. Ich bin aber ein Mensch, der der Meinung ist, dass das alte Sprichwort „Was dich nicht umbringt, macht dich nur härter“ weise ist. Wir haben damals die Zähne zusammen gebissen und das durchgestanden, danach wurden wir für unsere Zähheit und Arbeit belohnt und seither befindet sich die Liga in einer tollen Konstellation. Natürlich gab es auch in den letzten vier Jahren Auf und Abs, aber das gehört zum Leben. Dennoch wachsen wir in vielen Bereichen und werden das auch in Zukunft noch tun. Und auf das freue ich mich alles.

Eine Redewendung besagt, dass es im Motorsport keine Freundschaft gibt. Bei euch ist es anders. Euch verbindet durch die lange Zeit auch eine sehr gute Freundschaft und versteht euch neben der Strecke sehr gut.Wie ist es aber, wenn das Visier vor´m Rennen runter geht? Siehst du Jake noch als Freund, oder werden in dem Moment alle persönlichen Beziehungen fallen gelassen und ihr seid Konkurrenten?

Ich bin nicht der Meinung, dass es im Motorsport keine Freundschaften geben kann. Wir alle sind Menschen und haben alle ein eigenes Naturell. Und wie in jedem anderen Umfeld auch gibt es Menschen, mit denen man sich gut versteht und andere, denen man am besten aus dem Weg geht. Ich halte jedenfalls nichts von Opportunismus und denke, jeder sollte seine Meinung sagen dürfen. Ich mag Menschen nicht, die anderen den Mund verbieten wollen. Aber natürlich sind Beziehungen in einem hart umkämpften Wettbewerbsumfeld schon etwas Spezielles – und die Art von Freundschaft mag eine andere sein als zu Schulzeiten mit Klassenkameraden oder wo auch immer, denn naturgemäß sucht jeder trotzdem seinen eigenen Vorteil, den er auf der Strecke nutzen kann. Aber gerade diese spezielle Art von Freundschaft finde ich äußerst interessant und man kann generell vom Sport unendlich viel fürs, wie viele sagen würden, „wahre“ Leben lernen. Das ist irrsinnig hilfreich und daher halte ich es für sehr wichtig, dass schon Kinder ein gewisses Grundgespür und den Anreiz für Sport von klein auf haben. Auf der Strecke ist aber natürlich jeder Egoist, das liegt in der Natur der Sache. Sobald das Visier runterklappt und man am Gas steht, ist jeder andere nur noch ein Konkurrent und dann behandelt man jeden gleich. Aber der Respekt ist dabei das Allerwichtigste. Wir alle lieben hartes Racing, Action und ein bisschen Wheel-Banging, aber wir tun das im Grenzbereich und riskieren unsere Gesundheit und daher gibt es Grenzen, die man nicht überschreiten darf. Solange dies aber nicht geschieht, ist das Rennfahren eine der schönsten Sachen auf dieser Welt. Wenn alle fair miteinander umgehen und sich sprichwörtlich Platz zum Atmen lassen, dann kann man ohne Probleme am Abend nach dem Rennen gemeinsam ein Bier trinken und über die positiven Dinge des Lebens lachen. Das eine schließt das andere nicht aus.

Vor deine Zeit in der Liga warst du mehrere Jahre aktiv im Kartsport unterwegs. Kannst du uns einen Einblick darin geben, wie das so war? Seid ihr mit eurem Trailer quer durch Europa gefahren, immer On the Road von einem zum nächsten Event? Oder ging es doch eher gemächlicher zur Sache? Und wie erfolgreich warst du? Warst du eher der neue Niki Lauda oder doch „nur“ der neue Christian Klien?

Ich bin einfach sehr dankbar für diese tollen Jahre, auch wenn ich nie erfahren durfte, wie weit ich es gebracht hätte oder was ich noch alles erleben hätte können. Ich habe mit zehn Jahren angefangen in Indoor-Hallen zu fahren, bevor mir mein Vater zwei Jahre später ein eigenes Rennkart gekauft hat. Wenig später kam dann ein eigener Anhänger und jede Menge Ersatzteile, Werkzeug und das alles dazu. Quer durch Europa sind wir noch nicht gefahren, aber in Österreich, Deutschland und Italien auf vielen verschiedenen Bahnen und Meisterschaften. 2007 dann die italienische Rotax Max Challenge – der Sieger der Meisterschaft bekam quasi ein Freiticket für eine Teilnahme am Weltfinale, das in jenem Jahr in Portugal stattgefunden hat. Aus jedem Land durfte der Sieger der Meisterschaft dorthin reisen und bekam kostenlos ein Kart zur Verfügung gestellt. So läuft das jedes Jahr ab. Ich habe die Meisterschaft jedenfalls um einen Punkt verloren, da mir im letzten Rennen in Parma eineinhalb Runden vor Schluss mit einer halben Runde Vorsprung auf den Zweitplatzierten die Batterie eingegangen ist. Der Traum war geplatzt. Danach sind wir noch vereinzelte nationale Rennen gefahren, doch auch die Finanzen sind im Rennsport immer ein großes Thema und so kann man sich denken, warum der Spaß zeitlich begrenzt war. Das hat meine Liebe zum Rennsport allerdings nie getrübt und so bin ich vor fast acht Jahren auf die Liga gestoßen. Und ich kann eines sagen: so eine tolle Meisterschaft könnte ich im realen Rennsport einfach nicht fahren, denn so etwas gibt es nicht mit meinen aktuellen Möglichkeiten. Daher ist die Liga was ganz Besonderes für mich!

Wir wünschen allen Fans viel Spaß beim Italien GP!

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