Blackice fuhr in Abu Dhabi das letzte mal für die Scuderia Ferrari. Nach 6 Saisons verlässt er das Team und wechselt zu Alfa Romeo. Bevor er seinen roten Rennanzug an den Nagel hängt, konnten wir noch mal mit dem Österreicher sprechen.

Nichts stand in der Liga so für Beständigkeit, als die Tatsache, dass Blackice für Ferrari fährt. Zur Saison 2013 wechselte er von Sauber zu Ferrari. Nach 6 Jahren stehen 106 Rennen, 4 Poles, 8 Schnellste Runden, 27 Podien und ein Sieg auf seinem Ferrari-Konto. Kein anderer Fahrer fuhr jemals so lange für das selbe Team und zur Zeit scheint es ein Rekord für die Ewigkeit.
Nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi blickt Blacky nochmal zurück auf seine 6 Jahre in Rot, er redet über gute Zeiten schlechte Zeiten und über sein mögliches Karriereende bei Alfa. Wir wünschen viel Spaß mit dem Interview!



Hallo Blacky, schön dich noch ein letztes mal im Ferrari-Motorhome zu treffen. Ich sehe die Kisten und Taschen sind schon gepackt. Nur die Pokale und die Bierflaschen stehen bzw. liegen hier noch rum.

Bevor wir anfangen, möchte ich noch kurz ein paar Fragen zur gerade abgelaufenen Saison stellen.
In der Endwertung stehst du auf Platz 4, welcher im Vergleich zum Vorjahr eine Enttäuschung für dich ist. Wie schätzt du deine Leistung dieses Jahr ein?

Für mich war es eine äußerst lehrreiche Saison. Bis Le Castellet war es hart und ich musste viele Rückschläge und Kritik wegstecken, aber das hat mich stärker gemacht. Vom reinen Speed her war ich anfangs sehr gut dabei, war in den Qualis oft unter den Top 3, habe Rennen angeführt und konnte mit Robin einigermaßen Schritt halten. Doch ich habe es mehrmals übertrieben und mein Auto weggeworfen, was mir in Summe alleine in den ersten sieben Rennen rund 60 Punkte gekostet haben dürfte. Das war ärgerlich und für mich hat es sich wie eine Tragödie angefühlt, denn so eine schlechte Phase wie in den ersten sieben Rennen hatte ich wohl in meiner gesamten Karriere noch nie. Ich habe dann über die Weihnachtspause mental viel gearbeitet und das hat Wirkung gezeigt. Leider habe ich dann aber auch etwas vom rohen Speed eingebüßt. Alles in Allem hat es in dieser Saison einfach etwas an Gleichgewicht gefehlt, aber daraus habe ich gelernt und möchte es in den nächsten Jahren besser umsetzen. Meine Stärke war es, dass ich mich aus diesem Loch wieder rausgeschaufelt habe. Die Schwäche, dass mir oft das nötige Feingefühl gefehlt hat.


Was war dein persönliches Highlight der Saison?

Die Pole in Spielberg war schon sehr schön beim Heimspiel. Leider konnte ich es im Rennen nicht ganz umsetzen – aber ich werde mich bemühen, nächste Saison endlich vor Heimpublikum auf dem Stockerl zu stehen.


Du bist seit der Saison 2013/2014 für Ferrari gefahren, hast 106 Rennen bestritten, 27 Podien, 4 Poles und einen Sieg geholt. Mit deinem Wechsel zurück zu Alfa-Romeo geht damit eine Ära für dich und auch für die Liga zu Ende. Wie schwer fällt es dir nach dieser langen Zeit Ferrari zu verlassen? Was wirst du besonders vermissen?

Natürlich fällt einem so eine schwerwiegende Entscheidung nie leicht, aber ich bin absolut davon überzeugt, dass sie die richtige ist! Es gab für den Wechsel nicht nur den einen alles überstrahlenden Punkt, der mich dazu bewogen hat. Viel eher war es eine komplexe Entscheidung mit vielen wichtigen Variabeln in der Gleichung und unterm Strich hat für mich alles dafür gesprochen, etwas Neues zu beginnen. Mit dem Wechsel zu Sauber kann ich einfach alle für mich persönlich wichtigen Dinge miteinander vereinbaren und habe ein Gesamtpaket, das es mir weiterhin ermöglicht konkurrenzfähig in der Formel 1 an den Start zu gehen. Es gibt eine Vielzahl von Gründen und es ist eine über Monate hinweg durchdachte Entscheidung gewesen, hinter der ich zu 100% stehe. Was das betrifft fällt es mir gar nicht so schwer Ferrari zu verlassen, denn ich fühle mich dem Team und der Marke für immer verbunden und die Distanz zu Sauber bzw. Alfa ist ja nicht die allergrößte. Und ob ich von Wien aus nun nach Maranello fahre oder nach Hinwil ist auch schon wurscht, der Weg ist in etwa der Gleiche.


Bei so vielen Rennen gab es bestimmt auch einige besondere Momente für dich. Wenn du dich entscheiden müsstest, was waren deine drei schönsten und emotionalsten Momente/Rennen in den 6 Jahren. Beschreibe sie gerne etwas ausführlicher.

Bwoaaah – ich tue mir mit solchen Dingen sehr schwer. In sechs Jahren kommt eine Menge zusammen, sowohl sehr positive Dinge, aber auch manchmal großer Bockmist. Aber ich würde sagen der Sieg in Budapest letztes Jahr war natürlich der Höhepunkt – das war ein sehr schwieriges Rennen und ein hart erkämpfter Sieg. Auch an Monte Carlo letztes Jahr erinnere ich mich sehr gerne, als Dende und ich völlig unerwartet beide aufs Podium fuhren. Ebenso emotional war aber auch die gesamte Saison 2013/14 neben Jake – wir waren beide noch viel jünger als wir es jetzt sind und hatten diese Liebe und Feuer für Ferrari zu fahren, hatten damals aber ein Auto, das weit abgeschlagen war und nicht konkurrenzfähig war. Oh ja, Austin 2013/14 war sicher auch ein Wahnsinns-Rennen. Jake und ich haben uns schon im freien Training belauert und bekriegt und dann im Rennen ging es über die halbe Distanz so weiter. Am Ende flogen die Fetzen und in der Garage  zwischen den Mechanikern sogar fast die Fäuste. Das war schon irre!

Der wohl schönste Champus-Schluck seiner Karriere: Blackys erster Sieg in Ungarn.

Es sind aber nicht immer nur die positiven Momente die eine Geschichte ausmachen. Gab es auch Tiefpunkte in deiner Ferrari-Zeit?

Leider zu viele! Die Saison 2015/16 war fast ausnahmslos eine Katastrophe!


Welche Saison war für dich persönlich abgesehen vom Ergebnis von deiner Leistung her die beste Saison? Und welche die schlechteste?

Die Beste war wohl – auch wenn das etwas eigenartig klingen mag – vielleicht sogar meine Debütsaison. Ich hatte keinerlei Ligaerfahrung und bin ins kalte Wasser gesprungen. Ich war auf Anhieb konkurrenzfähig und war mit dem Sauber meist im vorderen Mittelfeld vertreten. Allerdings hat mir damals noch die Erfahrung gefehlt und ich habe einige Fehler gemacht, aber auch Pech gehabt. 2017/18 war sicherlich auch gut, einen Vizetitel fährt man nicht einfach so ein. Dennoch vergisst man hier als Außenstehender oft, wie schwierig die erste Saisonhälfte war und wie weit abgeschlagen ich da war. Die zweite Hälfte alleine hat dann eben gereicht, um das Ruder nochmal derartig rumzureißen.

Die schlechteste war ohne jeden Zweifel 2015/16 – für mich das düsterste Kapitel der Ligageschichte. Wir hatten ein, man kann es nicht anders sagen, grottenschlechtes Spiel zur Verfügung, wir hatten wenige Fahrer und meine persönliche Leistung war am Tiefpunkt, auch da ich mich kaum motivieren konnte. Das war schon eine echt harte Periode!


Du hast mit Jake, Hubsi, Kolmann, Dendemeier und Robin viele Teamkollegen gehabt. Wer ist deiner Meinung nach der beste gewesen? Mit wem hat die Zusammenarbeit am meisten Spaß gemacht? Und mal ganz ehrlich, wen mochtest du am wenigsten?

Der beste ist Robin, eindeutig! Kolmann war auch sehr schnell, aber Robin ist zusätzlich sympathisch und nicht abgehoben. Das macht ihn für mich zum besten Gesamtpaket – und seine Konstanz über eine Grand Prix-Distanz oder sogar über eine Saison gesehen sind beinahe unschlagbar im Moment. Spaß gemacht hat es mir am meisten aber mit Jake, denn wir beide sind einfach auf einer Wellenlänge und verstehen uns fast wie Brüder. Und das mittlerweile seit fast sieben Jahren, so etwas findet man im Leben nicht tagtäglich und daher freue ich mich schon auf die erneute Zusammenarbeit bei Alfa. Am wenigsten mochte ich Hubsi, da er ein unmotivierter fauler Sack war, der das Privileg für Ferrari zu fahren nicht gewürdigt hat. Das war leider keine gute Periode! Mit Dende hatte ich auch viel Spaß und eine größtenteils gute Zusammenarbeit – jeder Fahrer kann froh sein, wenn er einen wie ihn als Teamkollegen hat. Leider wurde er oft unter Wert geschlagen bzw. hatte viel Pech.


Mit dem Wechsel zu Alfa-Sauber scheint sich ein Kreis für dich zu schließen, denn du hast deine Karriere bei Sauber begonnen und nun wirst du wieder zurückkehren. Jake sagte neulich im Interview, ihr habt schon immer abgemacht, bevor ihr aufhört, fahrt ihr nochmal zusammen in einem Team. Bedeutet das, dass es deine letzte Saison sein wird?

Ich glaube das was Jake gesagt hat wurde dabei etwas aus dem Kontext gerissen, denn eine wirkliche Abmachung gibt es in der Formel 1 eigentlich nie. Allerdings war da immer das Gefühl, dass dieses eine gemeinsame Jahr bei Ferrari zu wenig war. Für mich kam sein Abschied zu McLaren damals ja extrem überraschend und Jake fuhr die ersten Tests vor der Saison ja noch im Ferrari. Da geht man dann natürlich schon davon aus, dass er auch die Saison über neben dir fährt. Wie auch immer – eine erneute Zusammenarbeit war nie abzusehen, aber in den letzten Monaten seit Monte Carlo haben sich die Dinge einfach in eine Richtung entwickelt, die uns schließlich wieder zusammengeführt hat.

Meine letzte Saison wird 2019/20 bestimmt nicht sein, so schnell wirst du mich nicht los. 

Der Kreis schließt sich: 2012 gab Blacky bei Sauber sein Debut, jetzt gehts wieder zurück zum schweizer Rennstall.

Kannst du nochmal aus deiner Sicht erklären wie es zu dem spontanen und überraschenden Last-Minute-Wechsel zu Alfa-Sauber kam?

So spontan wie es nach außen hin aussah war es gar nicht. Jake und ich haben uns in Monte Carlo am trainingsfreien Freitag getroffen und stundenlang miteinander geredet. Dabei war auch Thema, wie unsere Zukunft aussehen würde, da wir ja eigentlich über die Saison hinaus Verträge hatten, aber anscheinend beide das Gefühl hatten, dass die eh nicht mal das Papier wert sind, auf denen sie gedruckt sind. Jake hat quasi indirekt gefragt ob ich mir vorstellen könnte, mit ihm wieder ein Team zu bilden. Und wenn Jake das sagt, dann überlege ich mir das natürlich! Wir haben das Thema dann allerdings mal ad acta gelegt und quasi mündlich vereinbart, dass wir mal die Europasaison vorbeiziehen lassen und dann uns nochmal zusammenreden. Und da haben wir zuerst ja unsere Verträge verlängert, doch innerlich war wohl keiner von uns so wirklich mit dem Herzen hinter dieser Entscheidung. Also war es im zweiten Akt ich, der Jake nach dem Rennen in Austin angerufen hat und mal nachgebohrt habe wie es denn nun aussieht und ob wir da nicht doch noch eine Möglichkeit finden das mit Sauber durchzuziehen. Schlussendlich gab es noch ein paar Tage Bedenkzeit und danach waren wir uns einig: wir fahren nächste Saison bei Sauber! Und schon einen Tag drauf wurde es bekannt gegeben, that’s it!


Ich bedanke mich für das tolle Interview und das leckere Bier!

Klar, hol dir noch eins ausm Eiskasten!

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